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| „Diggi, daggi, schurry, murry...“ - oder: Das Spiel von Liebe und Eifersucht | | Drucken | |
| 11.April 2006 | |
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Szenische Collage aus Mozarts Bühnenwerken, Liedern und mehrstimmigen Gesängen Angefangen hatte alles vor nunmehr einem Jahr, der größte Teil meiner Gesangsklasse nahm Teil an dem von mir geleiteten Wochenendworkshop „Auftrittstraining und Präsenzschulung“ im „Alten Gutshof“ in Strausberg.
Alle Themengebiete der Bühnendarstellung wie Mimik, Gestik und Bewegung, Haltung, Körperspannung, Sinngehalt von Texten oder das Einsetzen von Untertexten wurden in Einzel-, Partner- und Gruppenübungen intensiv trainiert. Eine Unterrichtseinheit widmete sich dem Lampenfieber mit seinen möglichen positiven und negativen Auswirkungen. Besondere Vorbereitung auf alle genannten Teilaspekte der Bühnendarstellung erhielten die Teilnehmer durch die Atemarbeit (nach Middendorf). Die Ergebnisse des Workshops waren so positiv und überzeugend, dass es unbedingt weitergehen musste. Seit Oktober 2005 können deshalb alle Interessierten an einem fortlaufenden, 14-tägig stattfindenden, offenen Kurs „(Bühnen-)Präsenzschulung und Auftrittstraining“ teilnehmen. Jeder dieser Kursabende hat einen besonderen Themenschwerpunkt, auf diese Weise ist ein sehr vertiefendes Arbeiten möglich. Inzwischen kommen auch Studenten von außerhalb dazu. Um das Gelernte anwenden und damit weiter vervollkommnen zu können, entstand die Idee, einen szenischen Abend zu konzipieren, an dem alle Schüler und Studenten teilnehmen können sollten. Das Mozart-Jahr stand bevor und trotz der Gefahr der Übersättigung entschied ich mich für diesen Komponisten, da in seinem Vokalwerk nahezu für jedes Gesangsniveau Literatur vorliegt. Eine intensive Zeit der Recherche schloss sich an, denn für Jeden der 16 Sängerinnen und Sänger im Alter von 13 bis über 40 und vom Anfänger bis zum weit Fortgeschrittenen mussten geeignete Stücke gefunden werden, die dann auch in das Gesamtkonzept passen mussten, musikalisch abwechslungsreich waren und szenisch viel Raum für Experimente boten. Besonders die frühen Opern Mozarts lieferten viel Einsetzbares, dann seine Lieder und einige seiner heiteren mehrstimmigen Gesänge. Heraus kam ein Singspiel – Das Spiel von Liebe und Eifersucht, mit dem Titel „Diggi, daggi, schurry, murry...“, dem Beginn der Zauberer-Arie des Colas aus „Bastien und Bastienne“. Und zauberhaft, märchenhaft, bunt und fast immer heiter war schließlich der ganze Abend. Eine Zirkusdirektorin moderierte das Spiel, las aus Mozarts Briefen, auch ein Gedicht des Komponisten an seine Schwester Nannerl zu deren Hochzeit und hatte darüber hinaus alle Hände voll zu tun, ihren Angestellten den Zauberer, der sich mit der Zauberei nicht wirklich gut auskannte und seinen Zauberstab schwingend viele, viele merkwürdige und manchmal auch gruselige Dinge herbeizauberte, schließlich doch so weit zu bringen, dass er die ersehnte wahre Liebe zauberte – beinahe selbst überrascht von seinem Erfolg, den er nur seinem alten Buch der Zauberkunst zu verdanken hatte, das er gerade noch rechtzeitig wieder gefunden hatte. Verzweifelte Mädchen von Männern betrogen, Dämchen, die mit dem männlichen Geschlecht ihr Spiel trieben, sehnsuchtsvolle Jünglinge, gehörnte Ehemänner, gefesselte Bösewichte, sich streitende und wieder versöhnende Paare beherrschten ebenso die Szene wie drei wild gewordene Damen mit Pistolen, später entwaffnet durch eine gute Fee, drei Knaben, die ihren Tamino nicht finden konnten, eine Alte, die erzählte wie schön die Zweisamkeit früher einmal war und sogar Maestro Mozart selbst, in großer Verzweiflung von der Zirkusdirektorin herbeigerufen, weil das Spiel aus dem Ruder zu laufen drohte und der Zauberer immer wieder versagte – aber auch er erschien nicht wie gewünscht, sondern betrunken im Techtelmechtel mit seiner Frau Constanze versunken.
Aber bis es so weit war, ging natürlich eine intensive und arbeitsreiche Zeit mit musikalischer und szenischer Einstudierung voraus, die in einem Probenwochenende in einem Gutshaus in Wallmow bei Prenzlau ihren Höhepunkt fand und mit einer Voraufführung abschloss. Die Auswahl der Kostüme war eine weitere Herausforderung. Über 40 Kostüme mussten gefunden werden, denn die Sänger hatten jeder zwei bis drei verschiedene Rollen zu spielen. Es sollte bunt werden, eher modern, aber auch liebevoll – da halfen die Kleiderschränke eines jeden Mitwirkenden, aber auch Verwandte, Freunde. Es wurden wahre Kleidungsberge zusammengetragen und schließlich fand ich alles was ich brauchte. Schuhe, Hüte, Handschuhe, Requisiten all das musste sorgfältig ausgesucht werden. Am 24. März 2006 war es dann endlich so weit, „Diggi, daggi, schurry, murry...“(1) fand seine Aufführung auf der Bühne der Freien Waldorfschule Berlin Süd-Ost. Großer Dank gebührt dieser Schule mit ihrem engagierten Musiklehrer Herrn Mun, der dieses szenische Projekt voll unterstützt hat. Der Saal, zum Bersten gefüllt mit Jung und Alt, war eine ideale Spielstätte für die Darsteller. Von Anfang an vom Publikum auf Händen getragen, begeistert unterstützt und gebührend gefeiert wurde es ein Riesenerfolg für alle Beteiligten. Manch einer ist sowohl stimmlich als auch darstellerisch weit über sich hinaus gewachsen, das Zusammenspiel und die gegenseitige Unterstützung waren vorbildlich, der persönliche Einsatz enorm. Was konnte man sich Besseres wünschen, als mit diesem Singspiel alle vom Kind bis zum Erwachsenen zu erreichen und zu begeistern. Das Projekt wird eine Fortsetzung finden, so viel steht schon jetzt fest.(2) Gezeigt hat sich durch diese Regiearbeit, wie wichtig es ist, von Anfang an neben der Stimme eines Gesangschülers oder -studenten auch immer dessen Bühnenpräsenz zu schulen, die Spiel- und Risikofreude anzuregen und ihm durch die Praxis verständlich zu machen, dass nur durch die Kombination von Gesang und Darstellung eine spannende Kommunikation mit dem Publikum entstehen kann. Wenn es dann später sogar gelingt, diese Präsenz auch auf dem Konzertpodium zur Verfügung zu haben, dem viel schwierigeren Terrain, so ganz ohne Szene, Kostüme und Requisiten, dann ist der Weg frei für unvergessliche Konzertabende. <!--[if !supportEmptyParas]--><!--[endif]-->(1) Weitere Informationen zur szenischen Collage „Diggi, daggi, schurry, murry...“ auf der Website „Verena Rein · master classes“ - http://www.verenarein.de (Link) Die Seite informiert auch über weitere Kursangebote der Sopranistin Verena Rein zu den Themengebieten: Liedinterpretation, altitalienische Belcanto-Technik und Atem & Klang. (2) An szenischer Arbeit interessierte Gesangstudenten anderer Klassen können sich gerne per e-mail (masterclasses@verenarein.de) oder telefonisch (030-7841445) mit Verena Rein in Verbindung setzen. <!--[if !supportEmptyParas]--> <!--[endif]--> |

Doch ganz zum Schluss wurde dank des schon erwähnten Zauberbuches alles doch noch gut und gemeinsam feierten alle Mitwirkenden in einem großen Finale Hochzeit.
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